Draußen beobachtet

Die Spatzen-Ehe hält lebenslang

Schon seit der Antike Begleiter des Menschen Möhnesee
Von Professor Dr. Wilfried Stichmann. Erschienen im Soester Anzeiger am 3.01.2019


MÖHNESEE – Ein Spatzenschwarm mitten im Dorf erinnert daran, dass es dem „Straßenjungen“ gelungen ist, sich erfolgreich dem modernen Leben anzupassen. Pommes frites statt Pferdeäpfel, aber Speisereste wie eh und je bilden die Hauptnahrung der Haussperlinge, die fernab menschlicher Siedlungen nicht zu existieren vermögen. Und das wohl schon seit Jahrtausenden. Den Namen „Sperling“ gibt es schon im Gotischen. Die enge Bindung an den Menschen drückt auch der wissenschaftliche Name „Passer domesticus“ aus.
Dass man heute Haussperlinge überall auf der Welt in Städten und Dörfern antrifft, verdankt man Menschen. Auswanderer nahmen ihn als ein Stück Heimat mit in alle Erdteile.

Früher waren die Spatzen zahlreicher und wurden als Schädlinge verfolgt. Heute freut man sich schon, sie wieder zu sehen und sie auch im Winter am Vogelfutterhaus begrüßen zu können. Alte Leute füttern sie. Zu ihren liebenswürdigen Seiten gehört die lebenslange Ehe.
Auch in wissenschaftlicher Sicht nehmen die Sperlinge eine zentrale Rolle ein. Alle Singvögel werden auch „Sperlingsvögel“ genannt, weil ihre Nestlinge die Schnäbel weit aufsperren, um sich das Futter hineinstecken zu lassen. Das sind in den ersten zehn Tagen fast ausschließlich Insekten. Erst später werden Körner von Getreide und Samen von Wildpflanzen ihre Lieblingsnahrung.
Nachts suchen Spatzenschwärme Schutz in dichten Hecken und Efeuwänden. Vor dem Einschlafen hört man sie dort oft laut tschilpen. In Acht nehmen müssen sie sich vor allem vor den Freigängern unter den Katzen und vor dem Sperber, der neuerdings wieder häufiger zur Vogeljagd in die Dörfer kommt.
Die Spatzennester, die die Männchen bauen, findet man meistens in Höhlen und Ritzen an Gebäuden. 13 bis 14 Tage lang werden jeweils
fünf bis sechs Eier bebrütet, und das bis zu dreimal im Jahr. Da besteht wohl keine Gefahr, dass der Haussperling ausstirbt, und auch nicht der volkstümliche Name „Spatz“, der überall bekannt ist und als Kosename nicht nur für die häufigste Singvogelart benutzt wird.