Draußen beobachtet

Die Welsche Nuss

Für Eichhörnchen ein reich gedeckter Tisch
Von Professor Dr. Wilfried Stichmann. Erschienen im Soester Anzeiger am 3.10.2018


MÖHNESEE – Alle Freunde der Walnüsse registrieren dieses Jahr begeistert eine reiche Nussernte. Den meisten geht es um die Nüsse, genauer um die öligen, wohlschmeckenden Nusskerne. Aber auch sonst ist der Walnussbaum einer unserer wertvollsten Laubbäume. Das Holz ist hart und dauerhaft, das Furnier gefällt durch seine Maserung. Auch Drechsler und Schnitzer sorgen für eine Nachfrage, die hierzulande kaum befriedigt werden kann.
Dazu findet man hier Walnussbäume nur zu vereinzelt angebaut. Alte Bäume gelten als wertvoll, weil sie sich nur auf besonderen Standorten und nährstoff- und kalkreichen Böden optimal entwickeln. Als Waldbaum ist die Walnuss weniger gut geeignet, weil sie nach dem Laubfall im Boden Stoffe entwickelt, die wie Herbizide wirken und anderen Pflanzen verdrängen. Das ist auch der Grund dafür, dass manche Besitzer großer Gärten und Parks oft zurückhaltend sind, wenn es um die Anpflanzung von Nussbäumen geht.

Die Nebennutzungen der Art sind ausgesprochen vielseitig. Die Fruchtschalen liefern ein Tönungsmittel für braune Haare, die extrem ölhaltigen Nüsse die Voraussetzung für die Entstehung wertvoller Ölgemälde.

Quelle: Angelika von Tolkacz

Das Interesse der Menschen an den Walnüssen ist schon durch Funde aus vorrömischer Zeit belegt. Aber erst die Römer haben für die Verbreitung auch in Mitteleuropa gesorgt, wo sie in der Eiszeit ausgerottet waren. Soweit wie der Wein verbreitet werden konnte, ließen wintermilde Orte auch die Ausbreitung der Nüsse zu, die bis auf den heutigen Tag Fremdlinge blieben, zumindest dem Namen nach. Während der wissenshaftliche Name „Juglans“ schon im Altertum bekannt war und so viel wie „Jovis glans“ (Eichel des Jupiters) bedeutete, ist für uns heute die „Walnuss“ noch immer die „Welsche (die fremde) Nuss“. Ob sie als wärmeliebende Art künftig mit der Klimawende die Chance bekommt, sich auch als wilde Gehölzart in unseren Landschaften auszubreiten, werden erst künftige Generationen von Naturbeobachtern feststellen.