Draußen beobachtet

Jedermann bekannt

Jungvögel sind in ganzen Trupps unterwegs
Von Professor Dr. Wilfried Stichmann. Erschienen im Soester Anzeiger am 13.06.2018


MÖHNESEE – Die Elstern gehören hierzulande zu den wenigen Vogelarten, die fast jeder kennt. Dazu trägt zum Teil ihre Schönheit bei, ihr glänzendes schwarz-weißes Gefieder und ihre langen Federspieße. Der Volksmund spricht von der „diebischen Elster“ wegen ihrer Vorliebe für glitzernde Dinge. Häufiger noch lasten die Menschen den Elstern an, dass sie die Nester der Singvögel in den Gärten ringsum heimsuchen, weshalb sie früher gnadenlos abgeschossen wurden.

Heute leben mehr Elstern in den Dörfern in Möhnetal, aber nur dort. Im Arnsberger Wald und im Brandholz gibt es keine Elstern. Sie bevorzugen die Siedlungen, wo sie als Allesfresser genügend Nahrung finden von weggeworfenen Butterbroten auf dem Schulhof bis zu Futter für Kleintiere bei Tierhaltern, aber auch zu Insekten und zu Verkehrsopfern aus dem Tierreich.
Die Gelege und Jungvögel der Singvögel werden vor allem in der ersten Hälfte der Brutzeit bis Anfang Juni heimgesucht, solange die Elstern ihre eigenen Jungen damit füttern. Während die meisten unserer Kleinvögel im Sommer eine zweite Brut großziehen, begnügen sich die Elstern mit einer einzigen Jahresbrut, weshalb die Verluste der Kleinvögel im Sommer geringer sind als im Frühling.

Stauss [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) oder CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)], via Wikimedia Commons

Amseln und Ringeltauben werden von den Elstern besonders häufig vertrieben, gehören aber trotzdem am häufigsten zu den Bewohnern unserer Gärten. Dass die Elsternzahl nicht so stark zugenommen hat, wie oft angenommen wird, hängt damit zusammen, dass jedes Elsternpaar für sich ein Revier beansprucht, das es gegen seine Artgenossen verteidigt. Bei ganzen Elsterntrupps, die man gelegentlich im Winterhalbjahr zu sehen bekommt, handelt es sich um junge Tiere, die noch nicht in den Besitz eines eigenen Reviers gelangen konnten.
Zu den Rufen der Elstern gehört deren lautes. „Schäkern“, mit dem sie oft Laute aus ihrer Umgebung nachahmen. Ihr eigener Name geht auf althochdeutsche Bezeichnungen zurück, die schon um die erste Jahrtausendwende gebraucht wurden, ein Zeichen dafür, dass die Elster schon lange die Nachbarschaft des Menschen aufsucht, wo leicht ihr großes, rundes Nest – Kobel genannt – zu finden ist. In ihm werden 17 Tage lang die Eier bebrütet und 23 bis 24 Tage lang die Jungen gefüttert.