Draußen beobachtet

Waschbären kommen immer öfter bis in die Dörfer

Dieser Besucher fällt aus dem Rahmen
Erschienen im Soester Anzeiger am 3.06.2017


MÖHNESEE – Eigentlich ist die Tierfreundin ihren Besuchern gegenüber ausgesprochen aufgeschlossen. Meisen und Sperlingen bietet sie auf ihrer Gartenterrasse immer einen gedeckten Tisch. Und selbst die Rabenkrähe zerreißt ungestraft die Hülle des aufgehängten Futterknödels. Doch dieser Besucher fällt aus dem Rahmen.
Er kommt polternd am ersten der warmen Maienabende zwischen zehn und elf und damit nicht mehr zur üblichen Besuchszeit. Die Tierfreundin, die in Körbecke am Rande des grünen Tales wohnt, das den Zuckerberg vom Dorfkern trennt, hat noch auf ihrer Terrasse die späte Stunde genossen, als es ihr reichlich unheimlich wird. Ein Dieb? Vorsichtig zieht sie sich in das Haus zurück, als auch schon der Waschbär nachrückt, zur Vogelfütterung hinaufklettert und sich die Körner schmecken lässt.

Doch damit nicht genug! Händeklatschen und Klopfen an die Scheibe beeindrucken den aufdringlichen Besucher nicht, der sich fast eine halbe Stunde Zeit lässt, so dass er in voller Größe, mit Gesichtsmaske und seinem schwarz-weiß geringelten Schwanz unverwechselbar zu sehen ist. Auch der Lichtstrahl einer Taschenlampe beeindruckt ihn nicht.
Am nächsten Abend ist er wieder da, aber noch später. Er wird nicht gesehen, aber hinterlässt Spuren. Eine Futterschale geht zu Bruch und eine Stange fällt um. Die Vögel sind die Dummen. Fortan erhalten sie kein Futter mehr. Und der Waschbar hat keinen Anlass mehr zu seinen Besuchen, aber gewiss schon andere Ziele in Körbecke.

Quelle: wikimedia.org

Als Aufenthaltsorte dieses über 50 Zentimeter großen Räubers, der in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts am Edersee ausgesetzt wurde und um 1970 bei uns ankam, kommen Fuchsbaue, Holzstapel und Reisighaufen, Hochsitze, Heuböden, Durchlässe und Schuppen sowie zunehmend auch Hohlräume an Gebäuden in Betracht. Mit Nachwuchs – sechs Junge und mehr – reich gesegnet und nur schwer zu bejagen, nimmt die Zahl der Waschbären offensichtlich stark zu. Immer öfter dringen sie in die Nachbarschaft des Menschen vor, kontrollieren die Mülltonnen (wie kürzlich in Völlinghausen)und plündern die Obstbäume (wie im vorigen Jahr an der Rißmecke).
So gern man diesen Fremdling wieder heim nach Nordamerika schicken würde, wird man ihn wohl nie wieder los. Nächtliche Besuche werden gewiss häufiger und die Besucher selbst immer aufdringlicher.